Immobilientransaktionsrekord 2015 in Österreich

Immobilientransaktionsrekord 2015 in Österreich

Gesetzesänderungen führten 2015 zu einem Immobilientransaktionsrekord – Auch Nutzwertgutachten sind betroffen

2015 war zweifellos ein Rekordjahr für die Immobilienbranche. Die Preise für Eigentumswohnungen blieben dabei jedoch stabil. „Genauere Zahlen wird der im März 2016 präsentierte Re/Max-ImmoSpiegel liefern“, sagt Bernhard Reikersdorfer, der Geschäftsführer von Re/Max Austria ist, denn dann fließen auch „Nachläufe“ in den Grundbüchern in die Daten ein. Vorweg ist aber schon jetzt eines klar: 2015 wurde erstmalig die 100.000-Immobilientransaktionenmarke merklich durchbrochen. Gründe für diese Entwicklung sieht Reikersdorfer im steigenden Immobilienangebot des Jahres 2015, in der Nachfrage, den anhaltend stabilen Preisen, den niedrigen Zinsen sowie in der Steuerreform. Experten gehen davon aus, dass gerade die Steuerreform zu einem Transaktionsaufschwung beitrug. Für viele waren die mit Jahresbeginn wirksam gewordenen Neuerungen der Immobilienbesteuerung Grund dazu, Transaktionen noch 2015 abzuschließen.
Das Vertrauen in Immobilieninvestments sieht die heimische Immobilienbranche mit den Gesetzesänderungen allerdings nicht gesteigert. Letztlich bescherte die Steuerreform der Immobilienwirtschaft eine Mehrbelastung, die rund 500 Millionen Euro ausmacht. Insbesondere Privatinvestoren sind von den Gesetzesneuerungen betroffen. Ferner schöpfte die zu erwartende Reform – wie zuvor erwähnt – einen Teil der Transaktionen für 2015 ab. Vorhersagen für 2016 sind nur schwierig zu machen, denn die Situation der Wirtschaft dürfte sich gleichermaßen nicht bessern.

Gesucht werden immer häufiger günstigere Wohnungen

Die angespannte Situation trägt jedenfalls dazu bei, dass vermehrt günstigere Wohnungen gesucht werden. Die aktuellen Marktbedingungen lassen Objekte gut absetzen, bei denen der Quadratmeterpreis von 3.500 Euro nicht überschritten wird respektive der Preis einer Immobilie nicht 300.000 Euro übersteigt. Für teurere Objekte lassen sich nur schwer Abnehmer finden. Solange die Zinsen nicht steigen, bleibt die Nachfrage nach Immobilien weiterhin erhalten. Bedenklich ist dabei, dass die Nachfrage nach günstigem Wohnraum bereits überwiegt, wodurch in diesem Segment Preissteigerungen zu erwarten sind.

nutzwerte

Kleinerer Wohnraum wird benötigt

Mit Problemen sehen sich auch Mieter konfrontiert. Neben der überwiegenden Nachfrage nach kleinerem Wohnraum sinkt zusätzlich der finanzielle Spielraum der Mieter, der die Entwicklung des Mietmarkts zusätzlich aufheizt. Der steigende Bedarf an kleinen Wohnungen scheint unumkehrbar. Daher prangern Experten an, mehr Kleinwohnungen zu bauen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken werden Vorschläge dahingehend gemacht, nicht nur Wohnungszusammenlegungen steuerlich zu begünstigen, sondern auch den Umbau von großen Wohnungen zu fördern. Im Vorjahr wurde die Immobilienwirtschaft mit dem Slogan „Leistbares Wohnen“ begleitet, der auch in diesem Jahr zutreffen wird. In Ballungsräumen wird die verstärkte Zuwanderung dafür sorgen, dass sich der Immobilienmarkt nachhaltig ändern wird. Schon jetzt sind öffentliche Forderungen nach einem ausreichenden Angebot an Wohnraum und dahingehende gesetzliche Änderungen vorprogrammiert, konstatieren Experten.

Forderungen nach einem Nationalen Aktionsplan

In gleichem Zuge weisen dieselben Immobilienexperten darauf hin, dass der soziale Wohnungsbau diese Herausforderung alleine nicht stemmen können wird. Auch ein neues Wohnrecht würde nicht genügen. Daher ist ein „nationaler Aktionsplan“ gefordert, meint Michael Pisecky, Geschäftsführer der sReal, der damit nicht alleindasteht. Nahezu die gesamte österreichische Immobilienbranche ist mit dem sinnbefreiten Sammelsurium an Gesetzen und Normen äußerst unzufrieden. Leistbarer Wohnraum lässt sich damit nicht erschaffen, sondern eher hindern, lassen Branchenexperten unisono durchklingen.