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Preisanstieg der Wiener Zinshäuser

Zum ersten Mal seit Jahren besteht zumindest die theoretische Möglichkeit, dass am Wiener Markt neue Objekte entstehen. Vor allem in den Bezirken Brigittenau, Meidling und Margareten wird aktiv investiert. Experten sind sicher: Die unsichere Marktlage, die Niedrigzinspolitik und die Bevölkerungsentwicklung stellen die Hauptgründe dar, warum immer mehr österreichische Investoren und Stiftungen aktiv werden.

Das vorjährige Transaktionsvolumen kann anscheinend übertroffen werden

Im ersten Halbjahr 2016 waren die Wiener Zinshauskäufer besonders aktiv; zum ersten Mal, seit Jahren, können tatsächlich wieder mehr Objekte auf den Wiener Markt kommen. Experten gehen davon aus, dass viele Investoren das derzeit hohe Preisniveau nützen, um sich von einzelnen Objekten oder gar ihren ganzen Immobilien zu trennen. Was vor Jahren noch unvorstellbar war, ist heute Realität geworden. Ganze Portfolios werden heute bereits zum Verkauf angeboten. Folgt man der Prognose, kann das vorjährige Transaktionsvolumen, das 1,35 Milliarden Euro betrug, im Jahr 2016 durchaus übertroffen werden. Die Investmentaktivität ist vor allem in den Bezirken Meidling, Brigittenau und Margareten hoch. Viele Investoren haben erst verspätet den Fokus auf die Bezirke gelegt, agieren jetzt aber intensiver als je zuvor.
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Die Wiener Innenstadt ist Wiens teuerstes Pflaster

Folgt man dem Wiener Zinshaus-Marktbericht, der von EHL Immobilien entworfen wurde, muss man mit einer Teuerung zwischen 3 und 10 Prozent rechnen – je Quadratmeter. Nutzwertgutachten ergeben, dass in der Wiener Innenstadt derzeit bis zu 9.000 Euro pro Quadratmeter erzielt werden. In der Josefstadt, dem teuersten Bezirk innerhalb des Wiener Gürtels, liegt der Preis bei 4.000 Euro pro Quadratmeter. Die Bezirke Margareten (2.500 Euro pro Quadratmeter), Meidling (1.850 Euro pro Quadratmeter) und Rudolfsheim-Fünfhaus (1.650 Euro pro Quadratmeter) sind vergleichsweise günstig. Ein Grund, warum sich hier immer mehr Investoren finden. Doch der Aufwärtstrend wird, so Michael Ehlmaier, Geschäftsführer von EHL Immobilien, auch in den nächsten Jahren anhalten. „Es sind die Niedrigzinspolitik, viel zur Verfügung stehendes Kapital, die aktuell unsichere Marktlage und die Bevölkerungsentwicklung, die dafür sorgen, dass die Zinshäuser weiterhin attraktiv bleiben und sogar noch attraktiver werden. Heute erzielen Investoren Gewinne zwischen 1,7 und 4,1 Prozent“.

Der Zinshausmarkt ist fest in österreichischer Hand

Es sind vorwiegend österreichische Investoren, die am Zinshausmarkt aktiv vertreten sind. Private Investoren und Stiftungen machen rund 52 Prozent des Transaktionsvolumens aus; Projektentwickler sind mit rund 40 Prozent beteiligt. Jene suchen vorwiegend Objekte mit Ausbaupotenzial, wobei diese das steigende Preisniveau wirtschaftlich sinnvoll nutzen möchten. Aus diesem Grund entscheiden sich immer mehr Investoren für Bezirke, die noch Luft nach oben haben. Das sind eben Brigittenau, Meidling, Ottakring oder auch Rudolfsheim-Fünfhaus. Vorwiegend handelt es sich bei den Transaktionen um Eigentumswohnungen oder Dachgeschoßausbauten. Ausländische Investoren gibt es kaum. Das liegt vor allem am sehr komplex gestalteten Mietrechtsgesetz. Mitunter möchten ausländische Investoren aber auch in Zinshausportfolien investieren und nicht in einzelne Objekte.