Die Königsdisziplin des Dachbodenausbaues

Die Königsdisziplin des Dachbodenausbaues

Für viele klingt es reizvoll, einen Dachboden zu Wohnraum umzugestalten. Wer sich dafür interessiert, findet in Wien derzeit zahlreiche Angebote. Aber ist es wirklich angebracht, in Wiener Dächer zu investieren?
Experten warnen davor. Insbesondere für private Investoren ergeben sich beim Ausbau zahlreiche rechtliche und bautechnische Probleme, die nicht unterschätzt werden dürfen. Außerdem ist es unbedingt erforderlich, dass sich Interessenten ein Nutzwertgutachten erstellen und den Nutzwert der Investition parifiziren lassen.

Rechtliche Hürden
Wem gehört der Dachboden? Das ist die erste Frage, die sich ein Investor stellen muss. Was auf den ersten Blick einfach anmutet, kann in der Praxis schwierig werden, denn es ist nicht so einfach, das Dachgeschoß eines Hauses zu erwerben. Meist werden als erster Schritt Miteigentumsanteile gekauft. Ziel ist es, diese dann am Ende in Eigentumswohnungen umzuwandeln. Bis das Projekt vollendet ist, müssen viele rechtliche Zwischenetappen zurückgelegt werden. Und immer müssen sämtliche Miteigentümer an einem Strang ziehen. Das betrifft zum Beispiel den Bauplan, der von allen Beteiligten unterschrieben sein muss. Spätere Änderungswünsche müssen ebenfalls von den Miteigentümern abgesegnet beziehungsweise erneut auf dem Bauplan unterschrieben sein. Wenn nur einer der Beteiligten ausschert, verzögert sich das Projekt unter Umständen um Jahre.

Die Eigentümer unter dem Dach
Die Eigentümer unter dem Dach haben natürlich ein berechtigtes Interesse, dass sie nicht plötzlich in einem Haus mit einem offenen Dach wohnen. Der Fall kann zum Beispiel eintreten, wenn dem Besitzer des Dachgeschosses das Geld ausgeht. Wasserschäden sind die Folgen. Weder der Bauherr noch die Baufirma übernehmen im Schadensfall die Verantwortung.

parifizieren

Dachbodenausbau eine Herausforderung
Beim Dachbodenausbau ist die Bauchtechnik eine große Herausforderung. Darüber sind sich alle Experten einig. Ehe überhaupt gebaut werden kann, kommen Warmbildkameras zum Einsatz, da ein Dachboden in der Regel zahlreiche thermische Schwachstellen aufweist. Insgesamt kann der Ausbau sehr kostspielig werden. Sparen an der falschen Stelle kann zu einem bautechnischen Totalschaden führen.

Auch für Profis riskant
Der Ausbau eines Dachbodens ist auch für Profis mit Risiken behaftet. Aber für den, der nicht blauäugig an die Aufgabe herangeht, kann sich der Aufwand angesichts der Preise für diese Wohnungen durchaus lohnen. Bisher, so schätzen Experten, sind lediglich maximal 30 Prozent der Wiener Dächer ausgebaut. Hier schlummert demnach ein großes Potenzial. Allerdings bremst die komplizierte Rechtslage auch professionelle Investoren. Viele Häuser könne nur um höchstens eineinhalb Stockwerke ausgebaut werden. Das gilt auch dann, wenn die Gebäude an breiten Straßen gelegen sind und ein Ausbau bis zu drei Etagen möglich wäre. Unbestritten ist, dass bei einem Ausbau alle profitieren, denn nicht selten wird dabei das ganze Haus saniert. Wer mit dem Gedanken spielt, ein Dachgeschoss zu erwerben und auszubauen, sollte sich auf jeden Fall zuvor von einem Experten ein Nutzwertgutachten parifiziren lassen.